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Was ist Ju-Jutsu ?

Was ist Jiu-Jitsu?

Die Geschichte des Jiu-Jitsu

Die Etikette

Atemi-te Angriffsziele am menschlichen Körper

Gürtelfarben und ihre Bedeutung im Zen

Meistergraduierungen und Titel

 
Ju- Jutsu, die sanfte Kunst der Selbstverteidigung aus Japan. Der Chinese Li Tei Feng soll zu der Idee des Ju-Jutsu gekommen sein, als er einen kleinen Baum sah, der dem Sturm nachgab, und dadurch unversehrt blieb. Der Chinese Shin Gen In soll dann im Jahr 1650 das Ju-Jutsu nach Japan gebracht haben, wo die Samurai zusätzlich zu ihren Waffenkünsten (Schwert-, Dolch-, Hellebarden-, Speerkampf und Bogenschiessen) die Kunst des Schlagens, des Werfens, des Würgens und des Hebelns lernten.

Das Jiu-Jitsu ist eine der ältesten Kampfkünste Japans, die auf eine sehr bewegte und vielschichtige Geschichte zurückblicken kann. Die Bezeichnung Jiu-Jitsu bedeutet wörtlich: Technik oder Kunst (Jitsu / Jutsu) der Geschmeidigkeit, Flexibilität, Biegsamkeit, Sanftheit, Milde (alles verschiedene Übersetzungen des Ideogramms Jiu / Ju). All diese Begriffe repräsentieren ein einziges Prinzip, einen allgemeinen Weg, eine Technik anzuwenden, einen Weg, den menschlichen Körper als Waffe im Kampf ohne Waffen einzusetzen.
In Übereinstimmung mit diesem Prinzip können verschiedenartige Techniken angewendet werden und tatsächlich hatte jede der Schulen, deren Namen auch heute noch bekannt sind, dieses Prinzip in einer hochgradig individuellen und technisch unterschiedlichen Art und Weise umgesetzt. Eine Art und Weise, die streng geheim zu halten sich jede Schule bemühte und welche im Laufe der Zeit das jeweilige Charakteristikum der jeweiligen Schule wurde.

In erster Linie ist das Jiu-Jitsu eine waffenlose Selbstverteidigungskunst, d. h. der Verteidiger wehrt sich ohne Hilfsmittel gegen unterschiedlichste Angriffe, wobei diese sowohl von einem unbewaffneten, bewaffneten oder auch mehreren Gegnern ausgehen können. Ziel dabei ist es, den oder die Angreifer im Rahmen der gesetzlichen Richtlinien und ohne ihm unnötigen Schaden zuzufügen, unter die eigene Kontrolle zu bringen oder ihn soweit kampfunfähig zu machen, dass keine weitere unmittelbare Gefahr von ihm ausgeht. Dieser Grundsatz des "Fair Play" auch in Gefahrensituationen brachte dem Jiu-Jitsu den Beinamen "Gentlemens´ art" ein. Da diese Ausrichtung jedoch sehr einseitig wäre, besteht ein umfangreiches sportliches Programm, so dass die Ju-Jutsuka ihr Tätigkeitsfeld frei wählen und immer wieder ändern können.

Wie in den meisten Kampfkünsten bedient man sich eines Graduierungssystems aus farbigen Gürteln, die den technischen Stand und die Erfahrung des Ju-Jutsuka (= jemand der Ju-Jutsu ausübt) widerspiegeln. Trainiert wird im Dojo (Trainingsstätte), das wie im Judo mit Matten ausgelegt ist. Die Bezeichnung der Techniken erfolgt in japanischen Begriffen. Der Grundcharakter des Ju-Jutsu ist rein defensiv, d.h. es beinhaltet nur Verteidigungstechniken, die immer als Reaktion auf einen Angriff folgen. Trotz seiner ständigen Weiterentwicklung ist das moderne Jiu-Jitsu tief in der japanischen Tradition verwurzelt. Etikette, gegenseitige Achtung und die Werte des Do (ethische und moralische Grundlagen nach Jigoro Kano) stellen unverzichtbare Bestandteile dar, die von einem ernsthaften Ju-Jutsuka auch in das Privatleben übertragen werden sollten.

Was diese Kunst so besonders macht, ist die Tatsache, dass es keine fest vorgeschriebenen Techniken im modernen Ju-Jutsu gibt. Vielmehr setzt sich das Jiu-Jitsu wie ein Baukasten zusammen, aus dem der Schüler diejenigen Elemente wählen kann, die ihm besonders liegen. So stehen dem Schüler adaptierte und auf die Belange des Jiu-Jitsu zugeschnittene Block-, Tritt- und Schlagtechniken wie beispielsweise im Karate oder Taekwondo, die Würfe, Fallschule, Würge- und Hebeltechniken wie im Judo und Aikido und verschiedenste Elemente aus unzähligen anderen Kampfkünsten zur Verfügung, aus denen er sich seine individuelle Verteidigungstechnik erstellen kann. Im Training lernt er, diese Einzelteile zu sinnvollen Techniken zusammenzufügen und kann erproben, mit welchen Elementen er besonders gut zurechtkommt. Daraus stellt er sich dann mit Hilfe des Trainers "seine Techniken" zusammen, die er im Ernstfall instinktiv einsetzen kann. Diese Offenheit erklärt auch den hohen Anteil an Frauen und Sportlern, die im Wettkampfsport zum "alten Eisen" gehören würden. Da im breitensportlichen Bereich des Jiu-Jitsu keine übertrieben hohen Anforderungen an Kondition oder Kraft gestellt werden, kann es auch von weniger durchtrainierten Menschen betrieben werden, stellt aber auch ein unglaublich interessantes Tätigkeitsfeld für ausscheidende Wettkämpferinnen dar. Ursprünglich war das Jiu-Jitsu eine rein technische Form, deren einziger Sinn und Zweck es war, sich im Falle eines Angriffs erfolgreich zu wehren. In dieser Tradition wurde es über Jahrhunderte praktiziert und verfeinert. Die ursprüngliche Kultivierung und Verfeinerung kann unmittelbar den japanischen Samurai zugerechnet werden, die sich während ihrer Ausbildung auch einer intensiven Schulung im Jiu-Jitsu unterziehen mussten und denen es neben den Waffenkünsten als Selbstverteidigung auf den mittelalterlichen Schlachtfeldern diente. Diese rein technische Ausrichtung wurde um 1882 durch Jigoro Kano grundlegend geändert. Er erweiterte sein neues Jiu-Jitsu, das er Jiudo nannte, um die ethischen und moralischen Grundsätze, die landläufig unter dem Begriff "Do" bekannt sind. Nun ist Jigoro Kano allseits als Gründer des Judo bekannt, nur wenige würden ihn jedoch im Zusammenhang mit dem Jiu-Jitsu sehen. Hierzu muss man wissen, dass das Judo und das Jiu-Jitsu nach Kano eine Einheit war. Kanos Jiudo beinhaltete über lange Jahre sowohl den sportlichen Judokampf als auch die Selbstverteidigung des Jiu-Jitsu. Die sportadministrative Trennung und damit Verselbständigung beider Teile erfolgte erst in den 30er Jahren unseres Jahrhunderts. Zwischenzeitlich wurde der gegenseitige Wert jedoch wieder von den Verbänden erkannt, so dass es im Judo wieder einen selbstverteidigungs-bezogenen Wahlbereich gibt, im Jiu-Jitsu und Ju-Jutsu die Techniken des Judo dagegen schon immer fest integriert waren.